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  • Ausschnitt 02 - Luftaufnahme 1957
  • Ausschnitt 03 - Luftaufnahme 015 - 1957
  • Ausschnitt 04 - Luftaufnahme 020 - 1957
  • Ausschnitt 05 - Luftaufnahme 025 - 1957

Errichtungsdatum: 02.04.2017
Standort: Hauptstraße 209
Koordinaten: [50.909015, 6.801971]

tn Vorderseite Geschichte Kirchengemeinde

"Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Frechen"

Die Evangelische Kirchengemeinde Frechen ist eine der ältesten im Rheinland. Die „neue Religion“ gewinnt bereits um 1543 viele Anhänger. Patron der Evangelischen ist Floris I. von Palant, Graf von Culemburg in den Niederlanden. Er untersteht Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg. Der katholische Herzog ist reformwillig. 1551 schützt er die neuen Gemeinden vor Eingriffen des Kölner Erzbischofs. Kölner kommen nach Frechen für Gottesdienste, die in der Reichsstadt bis 1802 verboten sind.  1568 setzt Floris I. von Palant in Frechen den ersten Prediger für 200 Evangelische ein. 1575 werden der Heidelberger Katechismus der Reformierten und eine Leitung durch Presbyter eingeführt. Im 17. Jahrhundert geraten die Evangelischen unter Druck.
Ihre öffentlichen Gottesdienste und Friedhofsnutzung werden verboten. Das Frechener Gemeindegebiet erstreckt sich von Köln bis Düren. Niederländer, Engländer und Kölner Bürger unterstützen den Bau von Kirche und Pfarrhaus als Gemeindezentrum um 1717.  Im „Kölner Anbau“ treffen sich Kölner. Am Beginn des 19. Jahrhunderts hat die Gemeinde 100 Glieder. Sie tritt 1828 der preußischen Union von Lutheranern und Reformierten bei.  Durch zugewanderte Arbeitskräfte während der Industrialisierung wächst die Gemeinde. 1912 hat sie ungefähr 1500 Glieder. Darunter sind Pietisten aus dem Siegerland.  Noch größer ist der Zuwachs nach 1945 durch Flüchtlinge und Vertriebene aus Ost- und Mitteldeutschland. Sie sind mehrheitlich lutherisch. Das Presbyterium führt 1953 den lutherischen Katechismus ein. Die bisherigen Bekenntnisse werden geachtet.  Aus einer großen Gemeinde entstehen zehn Kirchengemeinden im Rhein-Erft- Kreis und in Köln. Die Gemeinde Frechen erhält einen zweiten Pfarrbezirk. 2016 hat das „Haus aus lebendigen Steinen“ 5400 Gemeindeglieder.


tn Rückseite Baugeschichte der Kirche "Baugeschichte der Evangelischen Kirche"

 1716-1717  Bau der Kirche und des Pfarrhauses unter einem gemeinsamen Dach.
 1770 Einbau der ersten Orgel von Ludwig König, Köln.
 1772 Drei Schrifttafeln von 1675 aus der ehemaligen Garnisonskirche Köln.
 1781 „Kölner Anbau“ auf der Nordseite für Gottesdienstbesucher aus Köln.
 1787 Einbau von zwei Glocken in den Dachreiter.
 1914-1920

Abbruch von Pfarrhaus und „Kölner Anbau“. Erweiterung der Kirche von 1717 nach Plänen der Kölner Architekten Schreiterer & Below.

 1943 Zerstörung der Turmspitze durch einen Brand im 2. Weltkrieg.
 1950 Beseitigung der Kriegsschäden. Neues Geläut aus vier Gussstahlglocken und einer verbliebenen Bronzeglocke.
 1955 Umgestaltung des Chorraums, Erweiterung nach Norden.
 1962 Neubau der Orgel von Detlef Kleuker, Brackwede.
 1969-1975 „Barockisierung“ der Kirche für ein einheitlicheres Erscheinungsbild. Verlegung des Altarraums in den Altbau von 1717.
 1983 Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Frechen.
 2008-2015 Umfassende Renovierung des Gebäudeensembles. Umbau und Neugestaltung des Altarraums.

 

Gemeindesiegel:Gemeindesiegel

Mit Bezug zu den Töpfern und Landwirten im Ort und dem Bibeltext von den „irdenen Gefäßen“ im 2. Timotheusbrief 2, 19-21: Die Gemeindeglieder sind Gefäße zur Ehre Gottes in der Kirche. Links füllt die Hand des Schöpfers den leeren Topf, rechts entsteht die blühende Schöpfung. Die lateinische Umschrift enthält den Namen der damals reformierten Gemeinde. Das Siegel ist wahrscheinlich ab 1568 in Gebrauch. 

Geusenengel:

Geusenengel

 „Geuzen“, niederländisch, ins Deutsche übersetzt „Bettler“, Tarnname der reformierten Widerstandskämpfer in den Niederlanden gegen die katholischen Spanier. Er wird bei ihren Lagebesprechungen im Haus von Floris I.  von Palant (1537-1598) in Brüssel eingeführt. 

 


Allgemeine Literaturhinweise zur Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Frechen:

Walther Bienert, Ursprung und Frühgeschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Frechen, (Veröffentlichungen des Kölnischen Geschichtsvereins e. V., 19), Köln 1957. Erhältlich im Stadtarchiv Frechen.

Walther Bienert, Das war – was wird sein? Ein Christ durchlebt das zwanzigste Jahrhundert, hg. von Dietrich Meyer, (Veröffentlichungen des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland, 6), Düsseldorf 1994.

Überblick zur Geschichte der evangelischen Gemeinde in Bachem , in: Helmut Wirges, Bachem. Der Geschichte eines Dorfes auf der Spur, Köln 1991, S. 95-99.

Peter Crohn, Von der Reformation bis ins 20. Jahrhundert , in: Aufbruch im Westen. Hundert Jahre evangelischer Gottesdienst in Weiden 1907, hg. von Peter Crohn, (Pulheimer Beiträge zur Geschichte, Sonderveröffentlichung 28), Pulheim 2007, S. 14-28.

Johann Andreas Gottfried Charlier, Geschichte und Nachrichten der Evangelisch-Reformirten Gemeine zu Frechen. Geschichte und Nachrichten der Evangelisch-Reformirten Gemeine zu Kölln am Rhein von 1545 bis 19. May 1805, hg. von Ferdinand Magen, (Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte, 167), Bonn 2005.

Helmut Fußbroich, Celia Körber-Leupold, Evangelische Kirchen in Köln und Umgebung, hg. i. A. des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region von Günter A. Menne und Christoph Nötzel, Köln 2007.

Joachim Conrad, Stefan Flesch, Nicole Kuropka, Thomas Martin Schneider (Hg.), Evangelisch am Rhein. (Schriften des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland, 35), Düsseldorf 2007 mit CD und Nachdruck der Karte von 1955.

Das Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland. Seine Geschichte und seine Bestände, hg. aus Anlass des 150-jährigen Bestehens v. Stefan Flesch unter Mitarbeit von Michael Hofferberth und Andreas Metzing, (Schriften des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland Nr. 33), Düsseldorf 2003.

Almuth Koch-Torjuul, Bernd Stollewerk (Hg.), Die evangelische Kirche in Frechen. Ein Haus aus lebendigen Steinen, Köln 2016.